
Autor: Brede
30 Jahre Vereinsgeschichte des Fördervereins Heimatmuseum Ahrensbök
Kurzer Überblick über 30 Jahre Vereinsgeschichte des Fördervereins Heimatmuseum Ahrensbök
Rede des 1. Vorsitzenden zum 30-jährigen Jubiläum des Fördervereins Heimatmuseum in der Großgemeinde Ahrensbök e. V. am 15. August 2026 (mit einer Ausstellung „Fleckenstraße – historische Bilder aus Ahrensbök“)
Am 21. Oktober 1996 wurde der Förderverein unseres Heimatmuseums als gemeinnütziger Verein gegründet.
Schon 1954 setzte sich der Kulturausschuss des Schützen- und Heimatvereins Ahrensbök für die Einrichtung eines Museums ein. Ihr Kulturbeauftragter Hermann Stölten, Rektor der damaligen Volksschule, hat Karten und Gegenstände gesammelt, die später mit seinem Schrifttum an das Landesarchiv in Schleswig gegeben wurden bzw. an das Ostholsteinmuseum in Eutin. Viele seiner heimatkundlichen Karten, Aufsätze und Arbeiten können wir heute in unserem Museum zeigen. Damals konnte ein Museum noch nicht eingerichtet werden.
1975 spricht Bürgermeister Wedde von der Gründung eines heimatkundlichen Arbeitskreises in Ahrensbök, der sich mit der Sammlung von Gegenständen und Urkunden aus der Geschichte unserer Gemeinde und der Gründung einer heimatkundlichen Stube beschäftigen möge. Auch soll der Gedanke der Heimatforschung in die Dörfer getragen werden. Drei Jahre später 1978 erklärt die Gemeindevertretung ihren Willen eine heimatkundliche Sammlung aufzubauen und mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. Aber es sollte noch lange Jahre dauern.
Immerhin beauftragte 1987 die Gemeinde den ehemaligen Gymnasiallehrer Jürgen Brather im Zuge einer ABM-Maßnahme mit der Aufbereitung des vorhandenen Aktenmaterials. 1990 erschien sein Buch „Ahrensbök in Großherzogliche Zeit 1867 – 1919“. Der zweite Band für die Jahre 1919 – 1945 erschien 1998.
1988 besteht dann tatsächlich in Ahrensbök ein Arbeitskreis Geschichte, in dem Norbert Fick maßgeblich beteiligt war. In den 90er Jahren wurden die Bestrebungen wieder aufgenommen. Eine Gruppe von 7 Personen (Ulrich Barkmann, Anke und Klaus Zutz, Gaby und Wolfgang Brede, Hans Jürgen Gutjahr und kurzfristig Herr Martens und am Schluss Karl Jürgen Friederich) zeigte am 23. August 1996 eine Ausstellung „Alte Postkarten aus der Großgemeinde Ahrensbök“ in der Gemeindebücherei im Bürgerhaus. Das fand großen Anklang und Bürgermeister Frankenstein versprach einen zu gründenden Verein zu unterstützen, wobei er uns auch tatkräftig unterstützte. Am 21. Oktober 1996 erfolgte dann endlich die Gründungsversammlung unseres Fördervereins.
Den ersten Vorstand des Fördervereins bildeten Karl Jürgen Friederich als Vorsitzender, Gaby Brede als 1. Stellvertreterin, Werner Schaube als 2. Stellvertreter, Anke Zutz als Kassenwartin, Lisa Hormann als Schriftführerin sowie als Beisitzer Karl Möller, Ulrich Barkmann, Wolfgang Brede, Anneliese Grimm und Susanne Barez. Zwei Großspenden der Deutschen Bank und der Kreissparkasse Ostholstein und Zuwendungen von Privatpersonen stellten den Verein auf eine gesunde finanzielle Grundlage.
Im Frühjahr 1999 trat die Sozialstation im Bürgerhaus zwei Räume ab, in denen unser Verein jetzt ein Teil seiner Sammlung zeigen konnte. Daraufhin brachten viele interessierte Ahrensböker weitere Gegenstände, Dokumente und Bilder als Geschenk oder Leihgabe. Die Sammlung wuchs und bald herrschte große Raumnot. 2004 ermöglichte die Gemeindevertretung dem Förderverein den Umzug in zwei Räume des Alten Rathauses.
Der Vorsitzende Karl Jürgen Friederich aus Gnissau gewann nach Vereinsgründung mehr als 50 Mitglieder und diese Zahl wuchs ständig weiter, sodass wir heute ca. 130 Mitglieder im Förderverein haben. Im Jahr 2000 folgte auf Friederich Anneliese Grimm als Vorsitzende. Ihr haben wir ein weiteres Buch über Ahrensbök für die Jahre 1945 – 2004 zu verdanken.
Auf Frau Grimm folgte 2008 Erika Kühn für 3 Jahre, bevor Heinrich Klempan 2011 Vorsitzender des Fördervereins wurde. Er sponsorte das Binden der uns übergebenen Lübecker Nachrichten. Vom Ostholsteinmuseum Eutin erhielt der Verein 2004 als Leihgabe eine Kirchenbank aus der Marienkirche und das Barghorster Richtschwert, das bei Kindern immer wieder zu der Frage führt: „Ist da noch Blut dran?“ 2009 erwarb der Verein mit Unterstützung der Fielmannstiftung Bilder von Theodor Möller. Ehrlich gesagt bin ich ein Fan von seinen Fotografien, die sicherlich romantisierend, aber auch künstlerisch besonders gestaltet sind. Heinrich Klempan ist seit seiner Amtsübergabe Ehrenvorsitzender des Fördervereins.
2014 übernahm Jan Krause für 12 Jahre den Vorstand des Vereins. Es war nun der Umzug in die neuen Räume im Bürgerhaus zu bewerkstelligen mit einer Neugestaltung der Ausstellung. Gleichzeitig erhielt der Verein als Leihgabe das große Bahnhofsmodell, das der Hamburger Eisenbahnexperte Hans-Harald Kloth gebaut hatte und das seinen Platz im Eingangsbereich der Gemeindebücherei hat. Im Laufe der Zeit hat er mehrere Vorträge über das Holsteinische Eisenbahnwesen und den Bahnhof Ahrensbök gehalten. 2016 folgte ebenfalls als Leihgabe ein großes Puppenhaus, das Teresa Brandt aus Sarzbüttel in jahrelanger Arbeit erschaffen hat. Auch folgten Exponate zu der Apothekengeschichte und ein Originalgemälde des Künstlers Carl Fey. Die Modelle von der Turmhügelburg zu Havekost, vom Schloss und der Schlossanlage in Ahrensbök, vom Kartäuserkloster mit Marienkirche, von der Volksschule Ahrensbök u. a. wurden von unserem Ehrenmitglied Jürgen Bartels gefertigt. Die archäologische Ausstellung in unserem Museum hat sein Sohn Christian Bartels zusammengetragen. Natürlich gehört auch die Firma Hermann Jungclaussen, die das Licht nach Ahrensbök brachte, in die Ausstellung, heute durch Enkel Jens-Uwe Jungclaussen im Vereinsvorstand vertreten. Ebenso gehören die Ausstellungsstücke des Arbeiter-, Rad- und Kraftfahrbundes „Solidarität“ dazu, die unser ehemaliger langjähriger stellvertretender Vorsitzender Uwe Zöllner eingebracht hat. Unser jetziger stellvertretender Vorsitzender Dirk Matthews ist augenblicklich maßgeblich damit beschäftigt, den Nachlass unseres im Oktober letzten Jahres verstorbenen Vorstandsmitglied Ulrich Barkmann (Er war es 29 Jahre lang) zu sichten und einzusortieren und gleichzeitig die Systematik in unserem Museum voranzubringen. Ulis umfangreiche Bücher- und historische Zeitschriftensammlung konnten wir bereits in 3 Regalen unterbringen.
Alle Gegenstände, die nicht ausgestellt werden können, sind in Depots untergebracht worden, wofür wir hier noch einmal einen großen Dank an Volker Ziske (für Frau Myrau), Jens-Peter Kraushaar und Gerhard Gerlach aussprechen wollen.
Seit 2013 führt der Verein eine eigene Webseite, die Wolfgang Brede betreut. Hier kann man viele interessante und illustrierte Artikel zur Ahrensböker Geschichte nachlesen und auch einen virtuellen Rundgang durch das Museum vornehmen. Seit 2015 erscheint alljährlich im November der Museumskalender des Vereins, der sich großer Beliebtheit erfreut und bei Getränke-Goldt und im Kiosk von Frau Lange erhältlich ist.
Es gab auch eine Zeit der Unbilden: 2018 musste wegen Umbaumaßnahmen zwecks Türenumsetzung vieles umgeräumt werden. Und ein Jahr später kam es 2019 zu einem Wasserschaden im Museum. Im gleichen Jahr konnte man günstig neue Glasvitrinen anschaffen, die dann neu zu bestücken waren. So hörte die Arbeit der Mitglieder und vor allem des Vorstandes nie auf. Auch heute ist immer wieder manches im Fluss und neue Herausforderungen müssen geplant werden. So geht auch hier mein Dank an all die fleißigen Mitglieder.
Für die Zusammenarbeit mit der Fielmannstiftung mit deren großzügigen finanziellem Unterstützungen geht an dieser Stelle ein besonderer Dank an Frau Köster und deren Vorgänger Herrn Oswald. Die Bilder von Theodor Möller 2009 hatte ich schon erwähnt, hinzu kommen die Unterstützung beim Aufbau des Bahnhofmodells 2014, der Erwerb des Krützfeldt-Gemäldes von der Talmühle und der Erwerb der Luftaufnahme von 1972, die Globuswerk, Ziegelei und Bahnhof zeigt, in diesem Jahr.
Aber auch ein Dank geht an die Ahrensböker Familie Hopp, von der wir stets unterstützt wurden, auch in finanzieller Hinsicht. Das hat natürlich auch unseren Kassenwart Bernd Voigt gefreut, der seit Jahren unsere Finanzen zuverlässig im Griff hat. Über die Jahre hinweg hat der Förderverein den Ahrensbökerinnen und Ahrensbökern viele interessante Ausstellungen und Vorträge bieten können: Es seien hier nur einige genannt:
„Wer erinnert sich“ zeigte Gegenstände des 19./20. Jahrhunderts
„Schuhmacherwerkstatt“
„Ahrensbök, früher, heute, morgen“
Käthe Breede und Hilde Schneider ließen sich nach alten Zeiten befragen.
Fotoausstellung zu Theodor Möller (2011)
Friseurausstellung im Hause Arndt (2015)
Vortrag von Jürgen Wetjer über das Kloster Ahrensbök
Vortrag von Hans-Harald Kloth über das Eisenbahnwesen in Ostholstein
Vortrag von Mara Sieber über Pilgerwesen und Marienverehrung in Ahrensbök
Vorträge von mir über die Entstehungsgeschichte von Ahrensbök, über Vizelinkirchen in Holstein und über das Mühlenwesen.
Geselligkeit und gemeinsames Erleben: Über die Jahre hinweg fanden Ausflugsfahrten großen Zuspruch. Sie reichten von Besuch des Gottorf Schlosses 2004 bis hin zum Besuch des Auswanderermuseums in Bremerhaven 2023. Sehr beliebt bei unseren Mitgliedern ist der alljährliche vorweihnachtliche Kaffeenachmittag mit Programm.
Ansonsten schaut man ab und zu donnerstags von 16 bis 18 Uhr im Museum (März bis November) zum Klönschnack vorbei oder um unsere Erinnerungsstücke anzuschauen.
Besucher kommen hauptsächlich im Frühjahr und Herbst in unser Museum. Immer wieder kommen auch Besuchergruppen an einem vereinbarten Termin z. B. eine kirchliche Gruppe aus Sarau, eine Auswandererfamilie aus Australien, Lübecker Familienforscher, ehemalige Ahrensböker Schüler zum Klassentreffen u. a.
Auf der Webseite des Vereins erreichen uns oft Emails, deren Absender sich meist für ihre Verwandten bzw. Vorfahren interessieren. Deshalb haben wir seit einiger Zeit das Angebot zur Hilfe bei einer Familienforschung direkt angeboten. Außer meiner Person kümmert sich auch das langjährige Vorstandsmitglied Erich Marowski aus Dunkelsdorf um diese Anfragen. Nutzen Sie gerne dieses neue Angebot.
Nutzen Sie heute auch gerne unser Café, das wieder in bewährten Händen unseres ehemaligen langjährigen Vorstandsmitglieds Frau Rosi Schössow und ihren Helferinnen liegt.
Allen, die am Gelingen dieses großen Gemeinschaftsprojektes Heimatmuseum auf so vielfältige Weise mitgewirkt haben, sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön ausgesprochen. Mögen in dieser heute so schnelllebigen Zeit sich weiterhin genügend Interessierte finden, die die Heimatgeschichte unserer Gemeinde für zukünftige Generationen lebendig halten.
Die Fleckenstraße (Lübecker und Plöner Straße) von Ahrensbök in historischen Bildern
eine Ausstellung im Bürgersaal des Bürgerhauses in Ahrensbök (Mösberg 3) am 15. August 2026, 14 bis 18 Uhr

Die Entwicklung der Fleckenstraße, heute Lübecker Straße und Plöner Straße, nahm ihren Anfang im 13. Jahrhundert als Pilgerweg, der von Plön über Sarau nach Ahrensbök und von hier weiter über Dunkelsdorf und Curau nach Lübeck führte. Es entstand eine Pilgerkapelle auf einer Anhöhe, wo sich die legendäre Buche (bök) mit dem Nest eines Adlers (ahr) befand, die zur Namengebung „Ahrensbök“ führte. Erste Versorgungseinrichtungen und Herbergen entstanden. 1328 erfolgte mit dem Bau der Marienkirche an derselben Stelle sicherlich eine kleine Erweiterung entlang der Pilgerstraße. Eine deutliche Erweiterung erfuhr Ahrensbök in dieser Hinsicht erst durch zwei entscheidende Ereignisse. 1387 brachte der Bau der Kartäusersklosters an der Kirche, deren wirtschaftliche Blütezeit bis 1534 neue Bewohner, darunter auch Bauern, sowie viele Kaufleute und Handwerker in den Ort brachten. Aber auch durch seine günstige Lage zu den im 12. Jahrhundert bereits entstandenen Bauerndörfern ringsum wurde Ahrensbök zu einem ländlichen Zentralort. Als nach der Klosterzeit der Plöner Herzog sein erstes Schloss in Ahrensbök im nördlich von der Kirche gelegenen Spannbrook 1593 bis 1601 anlegte und hier 1622 bis 1636 residierte, setzte sich diese Entwicklung fort und die Bebauung an der Fleckenstraße dehnte sich erheblich aus. So wurde Ahrensbök zu einem lebendigen und vielfältigen Ort für Bewohner, Geschäfte und Gewerbetreibende und hatte 1912 bis 1933 sogar das Stadtrecht II. Klasse. Nach 1945 ging die Vielfältigkeit und Zahl der Geschäfte stetig zurück. Alte Gebäude wurden abgerissen und zum großen Teil durch neue ersetzt.
Unsere Ausstellung zeigt mit historischen Fotos, wie die Fleckenstraße von Ahrensbök in der Blütezeit einmal ausgesehen hat. Zur Orientierung und zum Vergleich sind aktuelle Bilder mit den heutigen Hausnummern in einem Mittelstreifen zu sehen. Darüber und darunter sind jeweils Fotos aus dem Zeitraum Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa in die 1970er Jahre zugeordnet. Sowohl einzelne Gebäude, als auch ganze Straßenabschnitte, aber auch besondere Momente sind zu bewundern.
Kassette mit Dokumente und Münzen eingemauert
Kassette mit Dokumente und Münzen eingemauert
So stand es 2001 in der Zeitung……..
Zum Abschluss des 100-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Dunkelsdorf im Jahre 2000 wurde im Jahre 2001 in Anwesenheit von Bürgervorsteher Egon Rieger und Bürgermeister Ekkehard Schäfer als Vertreter der Gemeinde Ahrensbök mit einem Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Dunkelsdorf ein Erinnerungsstein enthüllt. Dieser Stein stammt aus der Dunkelsdorfer Gegend, dem Eckerbusch. Den hat uns der Landwirt Lammers aus Ahrensbök zur Verfügung überlassen. Die Feuerwehr hat ihn herrichten und aufstellen lassen. Er soll ein sichtbares Zeichen an die Geschichte ihrer Wehr erinnern.

Auch eine Kupferkassette wurde auf Anregung von Erich Marowski im Feuerwehrhaus eingemauert. Ein gebrannter Ziegel mit dem Eindruck „Öffnen 2100“ markiert die Stelle im Feuerwehrhaus. Alle Dunkelsdorfer und auch Vertreter der Gemeindeverwaltung wurden aufgerufen, sich mit Dokumente von früher und heute, Fotos und andere Erinnerungswürdige Dinge für die Nachwelt an dieser Aktion zu beteiligen. Es waren auch persönliche Briefe erwünscht und es wurden 21 selbst verschlossene Briefe ungelesen und unkommentiert mit eingebracht.

Diese sogenannte Zeitkapsel soll in 100 Jahren, zum 200-jährigen Bestehen, am 21. Januar 2100 geöffnet werden. Unsere Nachgeborenen werden sich lobend äußern oder alles „als Spaß“ beiseitelegen. Schade, dass wir das nicht erfahren werden.
Aber der Versuch lohnt sich!
Wir aber wünschen uns und auch unseren Nachgeborenen, dass die Freiwillige Feuerwehr Dunkelsdorf das Bestehen feiern kann und durch ihre Aktivitäten die Dunkelsdorfer Wurzel der Buche in dem Ahrensböker Gemeindewappen gestärkt und gefestigt wird.
Erich Marowski
Die Holländerei und der Milchbock in Dunkelsdorf
Die Holländerei und der Milchbock in Dunkelsdorf
Mit der Einführung der holsteinischen Koppelwirtschaft auf den Gütern wurden zahlreiche Holländereien angelegt. Es waren die Vorgänger der Meiereien.
Man holte sich holländische Spezialisten der Milchwirtschaft ins Land. Daher der Begriff „Die Holländer“. Sie machten sich die großen Rindviehbestände der Güter zu nutze und pachteten häufig als Fachmann der Milchwirtschaft die Bestände. Der Holländer leitete den Außen- und Innenbetrieb, betreute die Herde und verhandelte mit den Händlern der „Holländerei“.
Der Holländer Bendix Buck z. B. pachtete 1807 die Dunkelsdorfer Milchwirtschaft mit 50 Kühen. Der Milchertrag lag im Mai bei ca. 2,5 Kannen (etwa 5 l.) je Kuh und Tag. Als Wohnung erhielt er das Meierei Gebäude nebst Garten und Deputat. Die Milch wurde vom Pächter auch verarbeitet und verwertet. Für Futter im Winter und Weide im Sommer sorgte der Gutsherr. Streit gab es oft um die Ramswiese, wenn sie lange Zeit für die Wassermühle angestaut war und dann zum weiden nicht so lange nutzbar war. Auf die Weide gingen außerdem die 2 Bullen, 16 Haushaltungskühe, 4 Kühe des Müllers, 4 Deputat Kühe und des Holländers 5 eigene Kühe und seine 3 Pferde. Die herrschaftlichen Pferde und Schweine und die des Holländers gehen auf die Koppeln. Als Viehtränke stand der Mühlenteich auch im Winter zur Verfügung und im Winter kamen die Kühe in das Strohgedeckte Viehhaus. Das im Winter gewonnene Natureis aus dem Hofteich wurde im Eiskeller eingelagert und im Sommer zur Kühlung verwendet.
Neben dem Herrenhaus wurde 1876 auch ein neues Meiereigebäude errichtet. Später wurde die Milch in Kannen zur Meierei nach Curau geliefert und später nach Lübeck an die Hansa -Meierei. Das Meierei Gebäude wurde dann das Verwalterhaus des Gutes und die Milchböcke welche auch als Treffpunkt für Nachbarn und die Dorfjugend dienten, verschwanden. Das Grundstück in der Nähe der Turmstraße 4 – 6 hatte in früherer Zeit die Flurstückbezeichnung Meierei. Vielleicht stand hier einmal ein Meierei Gebäude oder evtl. das Haus des Gutsverwalters das in frühere Zeiten auch die Meierei genannt wurde.
Unser Milchbock – Als es noch die Milchböcke gab
Unseren Milchbock gab es erst seit 1955. Im Januar bezogen wir unsere neue Siedlung in Dunkelsdorf. Es war die Stelle Nr. 10, eine von 12 Siedlungen, eine sogenannte Vollbauernstelle, die aus dem aufgesiedelten Gut Dunkelsdorf für die überwiegend Heimatvertriebenen Bauern aus dem Osten geschaffen wurde.
Natürlich gab es hier auch schon vor 1955 Milchböcke, wie auch in den anderen Dörfern, so stand einer beim Gutshof, beim alten Feuerwehrhaus, beim Bauernhof Brede, an der Straßenecke beim Schuster Dose und beim Bokhof. Sie gehörten einfach wie die Pferde und die Kühe auf der Weide mit zum Dorfbild.
Die 20 Liter fassenden und von innen verzinnten Milchkannen wurden des morgens von dem Fuhrunternehmer Finnern aus Tankenrade mit dem LKW abgeholt und leer gegen Mittag zurückgebracht. Die Kannen waren gekennzeichnet mit der Lieferanten-Nummer. Im Sommer wurde die Milch auch des Abends abgeholt und zur Hansa-Meierei in Lübeck geliefert. Hier wurde die Menge gewogen und es wurden Proben zur Fettgehalts- und Qualitätsbestimmung gezogen. Oft wurde auch eine Rücknahmemenge an Molke und Magermilch für die Schweine- und Kälberfütterung zurück geliefert. Auch Milchprodukte, die in den Kannen abgelegt wurden konnten per Bestellschein von den Lieferanten angefordert werden. Später wurde in der Meierei eine Kannenwaschanlage installiert, dies war eine große Arbeitserleichterung auf den Höfen. Die Kannen durften jedoch keine Metalldeckel und Befestigungsketten mehr haben.
Unser Milchbock wurde für uns und unserem Nachbarn von der Hansa Meierei Lübeck aufgestellt. Als Standort wurde aus Gerechtigkeitsgründen der Mittelpunkt zwischen unserer Haustür und die des Nachbarn an der Dorfstraße gewählt. Der Bock war aus starkem Eichenholz gebaut und hatte eine Höhe von ca. 90cm und eine Größe von etwa 2,20m mal 1,85m.
An den Milchböcken hatten wir einen Zeitungskasten angebracht. So hatte unser Zeitungsbote Korl Becker auch eine kleine Arbeitserleichterung beim Zeitungsaustragen, nur hatte er nicht mehr so oft einen Grund zur Mittagszeit ins Haus zu kommen.
Man traf sich hier beim Kannen hinbringen oder holen, oder auch zwischendurch, sprach über Betriebliches und Privates und tauschte Neuigkeiten aus und der Milchbock war auch ein guter Treffpunkt für die Jugendlichen.
Da der Milchfahrer mit seinem Gefährt bis in die Stadt Lübeck zur Hansa-Meierei fuhr, nutzte manch einer diese Tour auch als Mitfahrgelegenheit.
Durch die Abholung der Milch mit dem Milchtankwagen ab Hof um 1970 wurden die Milchböcke plötzlich nicht mehr gebraucht und so verschwanden sie allmählich.
In einigen Dörfern taucht inzwischen so ein Milchbock als Zeitzeuge und Erinnerung an frühere Zeiten wieder auf.
So hatte ich 1999 die Idee den Milchbock an alter Stelle in genau gleicher Art (starkes Eichenholz und gleiche Größe) wieder zu erstellen und mit einigen Milchkannen auszustatten. Die Gemeindeverwaltung in Ahrensbök erlaubte die Aufstellung so nicht, da der Bock einige 10cm in den Straßenbereich hinein reichte. Sie schlug vor, den Milchbock in den Privatbereich zurück zu setzen und würde es gerne sehen, wenn er auch aufgestellt wird. Und so steht er da auch heute noch.

Er wurde auch schon für Geocaching (GPS-Schnitzeljagd) genutzt. Wanderer, Bekannte und Unbekannte und Pilger, die den vorbeiführenden Jacobsweg entlang pilgern pausieren hier manchmal. Auch ist hier der Sammelplatz wo der jährliche Kinderfestumzug zusammengestellt wird und startet.
Möge er hier noch lange stehen!
Erich Marowski
Der Mord an dem Dunkelsdorfer Gutsbesitzer Krahn jun.
Der Mord an dem Dunkelsdorfer Gutsbesitzer Krahn jun.
Der alte Gutsbesitzer des Gutes Dunkelsdorf Johann Hinrich Wöbs (Wöbs I) hatte 1805 sein Gut an seinen zweitältesten Sohn übergeben. Er hieß ebenfalls Johann Hinrich Wöbs (Wöbs II) und war verheiratet mit der Elsabe Catharina geb. Krahn, Tochter des Bauernvogt zu Offendorf Hinrich Krahn sen. und Catharina Elsabe geb. Böckmann.
1811 verkaufte Johann Hinrich Wöbs II den Stammhof an seinen Schwiegervater Johann Hinrich Krahn aus Offendorf. Nach dem im Jahre 1814 geschlossenen Familienvertrag sollte dessen Sohn Johann Hinrich Krahn jun., der mit der Tochter des Hufners Hartz in Dissau, die Engel Margaretha Hartz verheiratet wurde, Besitzer werden. Sie war auf Dunkelsdorf unglücklich und hatte einmal einen dänischen Leutnant zum Liebhaber. Sie wurde von den alten Krahns nicht gut behandelt und so holte ihr Vater sie wieder zurück nach Dissau. Nach mehr als einem Jahr ging sie zurück und ihr Vater schenkte noch einen Wagen und Pferde.
Die Hofübergabe verschleppte sich weiter, denn der Schwiegervater Hans Hartz hielt immer noch den zur Hofübergabe versprochenen Brautschatz von 2000 M und die Schreibegelder zurück. Dieser sollte erst bei völliger Eigentumsübertragung des Gutes gezahlt werden, doch die endgültige Umschreibung war noch nicht erfolgt, weil der alte Krahn das Sagen und Wirtschaften nicht abgab und trotzdem den Brautschatz und die Schreibegelder forderte.
Im Sommer 1817 verkauften die beiden Krahn das Gut für 60 000 M. dem Landrat und Kammerherrn Friedrich von Wickede aus Mallentin/ Mecklenburg, der es für seinen Sohn erwarb. Er versprach, dass sein Gut in Mallentin schuldenfrei sei und als die erste Zahlung aus blieb erfuhren sie, dass es doch hoch verschuldet war. Es gab erhebliche Unstimmigkeiten über Abmachungen und Zahlungen und so behinderten die Krahns die Bewirtschaftung durch die Männer des von Wickede. Sie hatten sich in einer Wirtschaft des Dorfes einquartiert und ließen den beiden Krahn ausrichten: „Sie möchten sich Stricke kaufen und sich am höchsten Baum aufhängen, übrigens würden sie in Weihnacht wieder kommen“.
Krahn jun. wurde in der Nacht des Sonntags, dem 21. Dez. 1817 in seiner Schlafkammer grausam erschlagen und zusätzlich mit einem Strick und Knebel erwürgt und auf dem Hofplatz zwischen mit Holz beladene Wagen abgelegt.
Nach dem Obduktionsbericht ist der Mord hier auf eine doppelte Art vollbracht, durch die Verwundung des Kopfes und durch Erdrosselung, jedoch genügten die schweren Kopfwunden schon als alleinige Todesursache. Der Strang wurde nach erfolgtem Tod erst umgelegt und so die Erdrosselung erst danach versucht.
Für die Ergreifung des Täters wurde von beiden Schwiegervätern eine Belohnung von insgesamt 400 M ausgesetzt. Dies wurde öffentlich in der Curauer Kirche von der Kanzel aus bekannt gegeben. Auf Grund dieser sehr hohen Belohnung meldeten sich viele Zeugen, von denen auch etliche den Schwiegervater Hartz belasteten und so das Hauptaugenmerk der Mördersuche auf ihm lag.
Er wurde des Mordes verdächtigt und angeklagt, doch das Kriminalgericht in Glückstadt sprach ihn frei.
In der Verhandlung legte die Verteidigung (der Advokat Friedrich Matthäus Jacobus Claudius, Sohn des Matthias Claudius) mehrere mögliche Mordvarianten vor.
Zu einen wurde von dem als geldgierig und habsüchtig bekannten Krahn sen. einige Abende vor dem Mord im Herrenhaus bei offenen Fensterläden Geld gezählt und es sollte den anderen Tag nach Lübeck gebracht werden. Es wurde schon in der Nacht vor dem Mord durch ein lautes Hundegebell das Hauspersonal geweckt. Es liegt nahe, dass hier schon ein Raubmordversuch fehlgeschlagen ist.
Zum anderen machten sich auch die beiden geschickten und enttäuschten Bewirtschafter des Herrn von Wickede verdächtig aber es bestand auch die Möglichkeit, dass es den falschen Herr Krahn getroffen hatte.
Die Tat wurde niemals richtig aufgeklärt.
Zur Eigentumsübertragung an den Herrn von Wickede kann es nicht gekommen sein, da die Witwe das Gut 1819 mit ihrem jetzigen Ehemann, dem früheren Pächter des Gutes, Gustav Joachim Hoyer, von ihrem früheren Schwiegervater, den Herrn Krahn sen. erworben hatte.
Gut 100 Jahre später standen am 9. März 1923 in den Ahrensböker Nachrichten, dass der frühere zu Bockhof ansässige Landwirt Willms mit einer Schusswunde im Sachsenwald tot aufgefunden wurde. Der Mord ist aufgeklärt. Landwirt I. aus Gr. Sarau hatte Willms nach Friedrichsruh begleitet und ihn auf einsamem Wege mittels eines Revolvers erschossen und dann sein Opfer ausgeraubt.
Stand: 15.4.2020
Erich Marowski
Ein Stück Industriegeschichte
Fielmannstiftung übergibt restauriertes Luftbild


Das erste Weihnachtsfest ohne Krieg auf einem kleinen Gutshof in Ostholstein
Das erste Weihnachtsfest ohne Krieg auf einem kleinen Gutshof in Ostholstein
Aufgeschrieben von Heinecke Werner

Das erste Weihnachtsfest ohne Krieg war auch in Heuerstubben etwas Besonderes. Die vielen Frauen und Kinder begannen schon vier Wochen vorher mit den Vorbereitungen. Am Tag vor dem Heiligen Abend war der erste Schnee gefallen und hatte den Hof der Tiere in dünnes Weiß getaucht. Damals fiel sehr viel mehr Schnee als heute. Gegen sieben Uhr abends war das Fest der Geburt Christi in der Kirche zu Gnissau beendet. Wir fuhren in Decken verpackt mit der Kutsche zurück zum Hof, wo sich alle erwartungsvoll unter dem großen Weihnachtsbaum vor den beiden dorischen Säulen in der Halle versammelten. Vor der eigentlichen Bescherung galt es, zunächst den Tieren des Hofes fröhliche Weihnachten zu wünschen. Alle Kinder bekamen Kerzen und wanderten mit den Erwachsenen des Hauses zunächst in den Garten. Längst war es dunkel geworden. Die Kerzen wurden auf die kleine Tanne gesteckt, die gleich neben dem Gartenhäuschen stand, und alle stellten sich im Kreis drum herum und sangen „Oh du fröhliche, oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“.
Dies erste Lied galt den armen Tieren aus Feld und Wald, die trotz hartem Winter nicht in den Stall durften. Die Kerzen wurden wieder eingesammelt und es ging hinter der Zuckerscheune und am Gewächshaus vorbei zum Kuhstall. Fast alle Kühe lagen bräsig auf ihren Plätzen und käuten wieder. Eine große Ruhe ging von diesem Geschäft aus. Etwas kleiner als ein Tennisball kommt aus dem Netzmagen kommt ein kleiner Ballen gefressenen Heus oder Silage den Schlund hinauf gerutscht und wird gemächlich zwischen den breiten Backenzähnen noch einmal klein gekaut. Die Kühe produzieren dabei viel Speichel und mahlen ihre Kiefer seitwärts hin und her. Ihre Zungen haben nun ein zweites Mal das Vergnügen, den guten Geschmack des Futters zu genießen. Jürgen, mein Bruder, war ganz neidisch, dass Menschen dies Privileg, zwei Mal zu essen ohne doppelte Nahrung zu sich nehmen, nicht hatten. Den Kühen wurden alle drei Strophen „Es ist ein Ros´entsprungen“ vorgesungen.

Jetzt ging es weiter zum Schweinestall. Auch hier war bereits nächtliche Ruhe eingekehrt. Besonders die Mastschweine lagen schlafend auf der Seite. Schweine lassen sich eher stören und wollen von jedem Besucher wissen, wer er ist, was er eigentlich will. Nachdem das Licht angemacht wurde und die lange Reihe der Weihnachtsbesucher den Gang vor den Boxen leise betreten hatte, richteten sich einzelne Schweine in Hockstellung auf und guckten mit ihren kleinen Äugelein die Gäste ganz genau an. Einige von ihnen setzten sich dafür auf alle vier Pfoten oder standen dafür sogar auf und kamen interessiert grunzend nach vorn zum Gang. Den Schweinen wurde das Lied, „Ihr Kinderlein kommet, ach kommet doch all“ gesungen, aber nur zwei Strophen. Jetzt blieb noch der Pferdestall auf der anderen Seite des Hofes. Da roch es am schönsten. Pferde, so kam es meinem Bruder vor, schlafen kaum. Immer wenn er in den Stall kam, waren sie schon wach und schauten willkommen heißend zu ihm. Pferde sind aufmerksame Haustiere. Sie schauen Dich nicht nur an, sie lauschen Dir auch mit gespitzten Ohren entgegen. Eine so große Gruppe Besucher hatte jedoch keines der zwölf Pferde erwartet. Jedes bekam ein Stück Würfelzucker und es wurde „Macht hoch die Tür, das Tor macht weit“ mit großer Inbrunst in allen Strophen den Pferden vorgesungen. Die waren anfangs ein wenig überrascht, ja beunruhigt und konnten sich den weihnachtlichen Sinn dieser Aufführung nicht recht erklären. Der Besuch im Hühnerstall wurde in diesem Jahr wieder ausgelassen, weil man das Federvieh, welches nachts sehr schreckhaft ist, und gleich glaubt, um sein Leben fürchten zu müssen, zum Fest des Friedens nicht in Aufregung versetzen wollte. Auch der Gänsestall wurde nicht besucht. Bis auf die beiden alten Gänse, die im kommenden Frühjahr wieder ihre Gössel aufziehen sollten, war der Stall leer. Es war die Zeit nach Martini, eine Jahreszeit, die auch im protestantischen Norden jährlich viele Gänse das Leben kostet. So wurde auf dem Hof der Tiere das weihnachtliche Fest des Friedens zusammen mit den Tieren gefeiert, mit vielen Dank im Herzen und dem guten Gefühl, zu einer großen Familie zu gehören. So wurden wir schon in Kindertagen zu Verantwortung, Respekt und Dankbarkeit für unsere Haustiere erzogen. Einen der heutigen industriellen Schweine- oder Geflügelställe einfach so ohne Desinfektion und Schutzanzug zu betreten oder gar einfach mit einem Trupp von acht Kindern zum Weihnachtsliedersingen aufzutauchen, scheint undenkbar.
Gefunden im Heimatmuseum Ahrensbök
Erich Marowski
Überschwemmungskatastrophe in Lebatz vor 60 Jahren
Überschwemmungskatastrophe in Lebatz vor 60 Jahren
Ein Millionenschaden laut Landrat Ohmstede entstand am Mittwochmittag am 8. Dezember 1965 als Stauwasser ein etwa 200 Meter langes Straßenstück in der Ortschaft Lebatz (Kreis Eutin) unterspülte und in eine benachbarte Kiesgrube riss.
Die Straße von Lebatz nach Gnissau, ein sauber asphaltierter Fahrweg war plötzlich von einem Wasserstrudel erfasst und fortgerissen worden, da neben der Straße insgesamt fünfzig Hektar Wiesen und Äcker tief unter Wasser standen, das sich einen Ausweg suchte. Eine Bodenfläche von einem Hektar Ausdehnung und fünfzehn Meter Tiefe sackte dabei einfach weg und verschwand in einer fünfzig Meter entfernt gelegenen zwanzig Meter tiefen Kiesgrube. Diese Kiesgrube wurde zu einem Kratersee, in dem ein gewaltiger Strudel entstand, der noch bis in die späten Abendstunden an den hochauftragenden Wänden des neuen Kraters nagte und Erdmassen hinunterriss.
Drei Familien wurden infolge des Straßeneinbruchs obdachlos. Bruno Schweimer, Günter Wegner und Hannes Dahlmann mussten mit ihren Angehörigen sofort die Häuser verlassen, die zum Teil schon unterspült wurden. Schweimer und Wegner mussten ihre gesamte Habe mitnehmen, während der Bauer Dahlmann noch darauf hoffte, dass sein Hof verschont bleibt.
Frau Wegner erlebte den Einbruch am deutlichsten mit. Sie sah, wie eine knorrige Eiche neben ihrem Haus weggerissen wurde, wie elektrische Leitungsmasten blitzend wegknickten und im tiefen Krater verschwanden. Noch wenige Minuten vor dem Unglück hatten die beiden Kinder von Frau Wegner, der 5-jährige Hans-Joachim und die 6-jährige Gundula auf der Straße mit ihrem Roller gespielt. Sie waren gerade ins Haus zurückgekehrt als der Erdrutsch begann.
Die Kiesgrube wurde zu einem zwei Hektar großen Wasserloch, an dessen Rand das Haus von Schweimer bereits 2 Meter mit einer Ecke über die immer noch weiter abbröckelnde Kante ragt und wird kaum noch zu retten sein.

Er hatte es erst vor fünf Jahren als baufälliges Haus gekauft und in den folgenden Jahren in harter Arbeit zum Schmuckstück ausgebaut. Dies sei ein schlechter Lohn für seine Bemühungen, seiner Familie ein gemütliches Heim zu schaffen, meint er resignierend. Mittlerweile wurde die Familie Schweimer beim Bauern Julius Maack untergebracht.
Glück im Unglück hatten zwei Kraftfahrer, die mit ihren Kieslastzügen bis an den Rand der Einbruchstelle kamen, als die Katastrophe geschah. Einer der Fahrer hatte an seinem Fahrzeug noch eine neue Sicherung einsetzen müssen und konnte deshalb erst später starten so dass er nur bis an den Rand der Einbruchstelle kam, während der andere etwas schneller war und diese Stelle gerade in dem Moment passiert hatte, als die Straße wegsackte. Der Sohn des Ortsvorstehers Maack hatte das Unglück zuerst gesehen und alle Helfer alarmiert. Der Bürgermeister von Ahrensbök, Herbert Behnke, fuhr unverzüglich zur Katastrophenstelle. Von Lebatz aus leitete er die Hilfsmaßnahmen ein.
Das gemütliche Klubzimmer im Dorfkrug „Tante Frieda“ war zum Hauptquartier der Katastrophenhelfer geworden. Kreisoberbaurat Dr. Würfel hatte die Einsatzleitung übernommen. Nach einer Nacht des Bangens war in der Dorfschaft inzwischen Ruhe eingekehrt. Nur noch einige Wachen standen bereit, um die hinter dem aufgerichteten Deich nachdrängende Schmelz- und Regenwasser zu beobachten. Sie befürchteten, dass der weiterhin stundenlang anhaltende heftige Regen den provisorischen Staudamm zerstören könnte und wieder Wassermassen in Richtung des neuen Kratersees ausbrechen könnten.
Die Hilfeleistungen in der Nacht waren noch zum Teil sehr schwierig. Pionierfahrzeuge der Panzerpionierkompanie 180 und des Panzeraufklärungsbataillons 6 aus Eutin blieben zum Teil in morastigen Waldgegenden stecken.

Sie mussten erst vom Technischen Hilfswerk befreit werden, ehe sie mit der Arbeit beginnen konnten. Sie dämmten in unmittelbarer Nähe eines Waldstücks etwa einen Kilometer oberhalb der Kiesgrube einen Wasserlauf ein.

Eine vor Jahrhunderten von Mönchen dort geschaffene Enge des Wasserlaufs bot sich dabei als besonders günstige Stelle an.
Sieben Stunden lang arbeiteten die Pioniere daran, den Wasserzufluss unter Kontrolle zu bekommen. In dieser Zeit brach eine Erdscholle nach der anderen ab und das Kraterloch wurde immer größer. Im Hauptquartier der Katastrophenhelfer hatte Oberbaurat Würfel inzwischen Bedenken bekommen, ob die aufgestauten Wassermassen des kleinen Flusses den Damm nicht wieder zum Einsturz bringen und in noch heftigerer Flutwelle in die Kiesgrube rauschen würden. In aller Eile wurde deshalb in den Damm ein Durchlass eingebaut, um einen langsamen natürlichen Abfluss zu schaffen. Erst in den Morgenstunden des Donnerstags, dem 9. Dezember 1965 konnten die Helfer melden: Wasser zum Stillstand gebracht.
Während im Wald das Hämmern und Sägen der Pioniere dröhnte, Bereitschaftspolizisten die Wasserschlucht mit Scheinwerfern absuchten, um jede Veränderung an den brüchigen Wänden melden zu können, feierte man in Lebatz eine neue Errungenschaft. „Die Landkarten stimmen nicht mehr“, sagte man im Dorfkrug bei „Tante Frieda“. Lebatz hatte jetzt einen See.

Viele „Sehleute“ mit Fahrzeugen verschiedenster Kennzeichen gaben sich ein Stelldichein und parkten vor der Gaststätte. Ein Bauer aus Lebatz meinte scherzhaft, dass man künftig den Ort als „Lebatz am See“ bezeichnen könne.
Der Erdrutsch ist vermutlich durch Schneeschmelze und tagelangen Regen sowie zwei Quellen unter der Grube entstanden. Die Frage nach einem Schuldigen an der Katastrophe wird kaum zu beantworten sein. Es wird sich herausstellen, meint man in Lebatz, dass die Natur allein es war. Die Straße von Lebatz nach Gnissau wird aber kaum wieder an der alten Stelle angelegt werden können. Der Untergrund ist aufgeweicht und eine Festigung der Trasse dürfte zu kostspielig werden. „Man wird sich eine neue Linienführung überlegen müssen“, heißt es.
Jens-Uwe Jungclaussen (nach Zeitungsberichten aus dem Jahr 1965)
Druckerei Hormann und die Ahrensböker Nachrichten
Druckerei Hormann und die Ahrensböker Nachrichten
Lisa Hormann hat dem Heimatmuseum Ahrensbök nicht nur die Gesamtausgabe der „Ahrensböker Nachrichten“ als gebundene Ausgabe überlassen, sondern auch einen Bericht über die Druckerei Hormann, den wir nachfolgend veröffentlichen. Die kompletten „Ahrensböker Nachrichten“ sind im Heimatmuseum Ahrensbök einsehbar.
Konkurrenzdruck veranlassten 1882 in Preetz/Holst. Den Buchdrucker und Verleger Theodor Hormann, Herausgeber des Preetzer Wochenblattes – später „Ostholsteinischer Bote“ – seinen Betrieb in Preetz zu verkaufen und eine Buchdruckerei mit Zeitungsverlag in Ahrensbök zu erwerben.
Als Gründungsjahr der Ahrensböker Zeitung ist wohl das Jahr 1879 anzunehmen, als von den Verlegern Trappe und Prüß aus Bramstedt mit Einrichtung einer Druckerei mit Zeitungsverlag in Ahrensbök eine Filiale eingerichtet wurde.
Von alten Ahrensbökern überliefert weiß man, dass die erste Druckerei im Hause der Frau Witwe Jäger unter-gebracht war, von wo sie alsbald verlegt wurde in das Haus des Herrn Franz Greiß, später zum Hause des Herrn J. Lilienthal. Da seinerzeit die Druckerei nur aus wenigem Schriftmaterial und einer Handpresse bestand, war ein Umzug leicht zu bewältigen.

Die Betriebsgründer verkauften aber schon bald an den Buchdrucker A. Dauer, von dem im Oktober 1882 Th. Hormann die Druckerei mit Zeitungsverlag erwarb. Am jetzigen Standort in Ahrensbök, Lübecker Straße 3, befindet sich der Betrieb erst seit 1890, seit dem Kauf eines eigenen Grundstücks und Hauses, das sich bis heute noch im Familienbesitz befindet.
Aus den zwei- bzw. dreimal wöchentlich erschienenen „Ahrensböker Nachrichten, Intelligenzblatt, Amts- und Gerichtsanzeiger für Ahrensbök, Schwartau und deren ländliche Umgebung“ sind als Titel bis zum Schluss die „Ahrensböker Nachrichten“ geblieben.
Im Jahre 1908 ging der Betrieb an Sohn Hans Hormann über, der im elterlichen Betrieb ausgebildet wurde und bereits mitarbeitete. Die Zeitung erschien in gewohnter Weise, bis Hans Hormann im Mai 1941 ihr Erscheinen einstellen musste. Der Verleger hatte auf Bitten von Pastor Nelle die Namen der Konfirmanden, die ihre Goldene Konfirmation feiern konnten, in seinem Blatt veröffentlicht. Diese Tatsache wurde von dem Reichspropagandaamt Kiel wegen der Papierknappheit missbilligt. Das Verlagsrecht der „Ahrensböker Nachrichten“ ging auf den „Lübecker Generalanzeiger“ über.

Hans Hormann hielt sich mit der Anfertigung von Drucksachen und Anzeigenvermittlung über Wasser. Zum Bestreiten seines Lebensunterhaltes wurden ihm 100 Reichsmark monatlich und 50 Reichsmark für seinen Sohn Theodor, der als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen war, zugestanden. Im Januar 1946 erlaubte die Militärregierung die Weiterführung der Zeitungsbetriebe, was aber bis zur Währungsreform (Sommer 1948) in Ahrensbök wegen Papiermangel nur schwer zu realisieren war und der Betriebsinhaber inzwischen im 72. Lebensjahr stand.

Sohn Theo kam heil aus dem Krieg zurück, und ab 1948 konnte man dann in unregelmäßigen Abständen – z. B. zum Sommer-Winter-Schlussverkauf, zu Ostern, Weihnachten und zum Heimatfest – einen „Ahrensböker Geschäftsanzeiger“ herausgeben für ca. 2500 Haushalte. Die Bevölkerung hatte sich nach Kriegsende durch Aufnahme der Flüchtlinge nahezu verdoppelt. Am 1. Januar 1949 übertrug Hans Hormann Geschäft und Grundstück seinem Sohn Theo. Da dieser der Berufsrichtung von Vater und Großvater gefolgt war, Schriftsetzer und Drucker gelernt hatte und sich somit „Schweizer Degen“ nennen konnte, stand der Selbständigkeit, ausgerüstet mit Meisterbrief und Schriftleiterprüfung, nichts im Wege.

Vom 30. November an gab es dann auch wieder die zweimal wöchentliche erscheinenden „Ahrensböker Nachrichten“, eine Heimatzeitung, von der viele Exemplare in die ganze Welt gingen und mit den „Butenahrensbökern“ Verbindung hielt. Die redaktionelle Berichterstattung nahm Lisa Hormann wahr, und das auch nach Einstellung des Zeitungsbetriebs nach 28 Jahren.
Die Einstellung der Ahrensböker Zeitung erfolgte zum 1. Januar 1984 wegen technischer Schwierigkeiten und aus Altersgründen des Betriebsinhabers. Lisa Hormann war in der Folge noch zweieinhalb Jahre für die „Lübecker Nachrichten“ und zirka 10 Jahre für den „Ostholsteinischer Anzeiger“ in der Lokalberichterstattung tätig. Theo Hormann verstarb 1992 im achtzigsten Lebensjahr. Bis drei Monate vor seinem Tod stand er noch täglich in der Setzgasse und fertigte Drucksachen im Handsatz. L.H. (Lisa Hormann geb. Jebe, 1929-2024)
Ein Tag auf dem Lande
Ein Tag auf dem Lande
kommt man als Stadtkind auf das Land, so findet man dort allerhand. Was man im Leben nicht vergisst, weil es so schön gewesen ist. Da kannst Du schon am frühen Morgen die Hühner, Enten, Gäns versorgen, die allerorten hamstern gehen, an ihrem Kropf kannst du es seh`n. Vom nahen Stall klingt sehnsuchtsvoll, das Kuhgebrüll in Dur und Moll. Sie woll`n gemächlich käuend grasen auf einer Koppel grünem Rasen. Allwo sie bis zum Abend bleiben und sich viel Grünzeug einverleiben. Kommt dann die zweite Melke Zeit, steh`n sie fast alle schon bereit in ihrem Heck, das Euter schwer und geben fette Milch uns her.
Die Kunst des Melkens, dacht` ich mir, die kann ich auch, wenn ich`s probier. Bin hochbeglückt, als unversäumt, der Milchstrahl in den Eimer schäumt. Nun setzt bei heißem Sonnenschein, die läst`ge Fliegenplage ein. Die Kuh, sich ihre zu erwehren, hält ihren Schwanz sehr hoch in Ehren. Sie haut damit ganz unverfroren, dir links and rechts eins um die Ohren. Den Schwanz hat, der der Arbeit hemmt, die Stirn fest an den Bauch geklemmt. Doch Kopftuch, Sonne, Kuh sind heiß und ich gerate schnell in Schweiß. Das Tier so seiner Wehr beraubt, ist schlauer als ich es geglaubt.
Es hebt graziös das Hinterbein, schlägt flink auf Fliege und Eimer ein. Die Milch hat, eh‘ ich aufgeguckt, der trockne Boden schon verschluckt. Und meine Kuh läuft kreuz und quer, ich mit dem Eimer hinterher.
Das liebe Vieh lebt meist vom Fressen und ruh`n, das edle Pferd indessen, es läuft und trabt am allermeisten und muss die schwerste Arbeit leisten. Bald hilft`s im Hofe, bald im Feld, als Freund dem Bauer zugesellt. Ist dann im Dorf mal nichts zu haben, muss es mit ihm in`s Städtchen traben. Ein Hof hat nur den halben Wert, ohn`unser fleiss`ges, flinkes Pferd.
Das Tier, dem ich mich jetzt zuwende ist faul und längst nicht so behände. Das Schwein, es liegt in seinem Duft und muss doch auch mal an die Luft. Als Schweinehirtin zog ich aus und trieb die ganze Bande raus. Für die die höchste Wonne ist zu wälzen sich im größten Mist, zu baden in dem dicksten Brei, das nennt man zünftig Schweinerei. Im Stall verblieben nur die Frauen, die Mütter und die trächt`gen Sauen. Doch mit dem Eber Julius, da hatte beinah‘ ich Verdruss. Ich holte mir das Riesentier aus seinem eig`nem Stall herfür. Doch Liebeslaut vom Stall herdrangen, das trieb zurück ihn voll Verlangen. Ich nahm ein Stöckchen, rührte es fein, für ihn mocht`s wohl ein Kitzeln sein. Er wurde bös, hätt` mich zerfetzt, käme nicht der Nachbar angehetzt, nachdem er sich die Peitsche holte und ihm das Fell versohlte.
Wer einmal Lust und Liebe hat für`s Land, bekommt es auch nicht satt. Und wer die Tiere will versteh`n weiss liebevoll mit umzugeh`n.
Nun hat das Haus und auch der Garten, mit allerhand noch aufzuwarten. Kartoffeln schälen, Kuchen backen, Gemüse putzen, Kräuter hacken, beim Jäten und beim Beeren pflücken, sich nicht vor jedem bücken drücken. Die Wege säubern und die Ecken, den Rasen schneiden und die Hecken, so viel, so viel gibt es zu tun, die Hände dürfen niemals ruh’n. Doch ich mach Schluss. Das Lied ist aus, sonst wird ein ganzes Buch daraus.
Meiner lieben ……. in dankbarer Erinnerung und herzlicher Freundschaft.
Hildegard Ulbrich
Berlin, den 28. März 1946
Elisabeth Marowski