150 Jahre – Der große Brand von Ahrensbök –

1872  – 2022

150 Jahre der große Brand von Ahrensbök

Am 3. September 1872 brach über Ahrensbök ein großes Unglück herein: In der Mitte des Ortes, im Hause des Fuhrmanns Buck entstand ein Feuer, das sich nach einer langen Trockenheit schnell ausbreitete. Es fand in den zum Teil noch mit Stroh gedeckten Dächern und in den Giebelwänden aus Holz reiche Nahrung. In kürzester Zeit fielen 22 Wohnhäuser und 16 Nebengebäude dem Brand zum Opfer. Spritzen aus Glasau, Gnissau und Dunkelsdorf waren rasch zur Stelle, mussten sich aber darauf beschränken, eine weitere Ausdehnung der Verwüstung zu verhindern. Aus Eutin und Lübeck trafen mehrere Spritzen um 18 und 21 Uhr ein, zu einer Zeit, als der Brand schon eingedämmt war. Es galt jedoch, die Löscharbeiten fortzusetzen und ein erneutes Aufflammen zu verhindern. 51 Familien waren obdachlos geworden und zunächst auf nachbarschaftliche Hilfe angewiesen. Die Hausbesitzer unter ihnen waren feuerversichert, die meisten der betroffenen Mieter – kleine Handwerker und Arbeiter – hingegen nicht. Sie hatten ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Um die größte Not der Geschädigten zu lindern, bildeten sich in Ahrensbök und in Eutin Hilfskomitees, die Geldspenden, Nahrungsmittel, Kleidung, Wäsche und Möbel erbaten. (Quelle: – Jürgen Brather – Ahrensbök in der Großherzoglich-Oldenburgischen Zeit 1867-1919)Der große Brand

Das Erinnerungsschild wurde in den 60er Jahren von den Schülern Manfred Hannig und Wolfgang Brede auf dem Hof des Fuhrbetriebes Wilhelm Hopp in der Lübeckerstrasse gefunden. In dieser Straße fiel beim großen Brand eine ganze Häuserzeile dem Feuer zum Opfer. Das Schild wurde dem damaligen Rektor der Volksschule, Herman Stölten, übergeben. Rektor Stölten, selber interessierter Heimatkundler, erkannte die Bedeutung und damit verbundene Geschichte des Schildes und ließ das historische Fundstück im Flur der Volksschule aufhängen. Beim Abriss der Volksschule 1972 zog das Schild mit in die neue Grund- und Hauptschule um, fristete aber dann jahrelang im Keller sein Dasein. Erst Jahre später, bei den Zusammenkünften des damaligen Arbeitskreises „Ortsgeschichte“, woraus dann 1996 der „Förderverein Heimatmuseum in der Großgemeinde Ahrensbök“ entsprang, erinnerte man sich wieder an das Schild. Hausmeister Egon Brede konnte das Schild wieder auffinden und für Rektor Siegfried Zenker war es eine Selbstverständlichkeit das Schild den büroleitenden Beamten der Gemeinde Ahrensbök, Norbert Fick, zur Verfügung zu stellen. Heute hat das eher unscheinbare Schild im Ahrensböker Heimatmuseum seinen Platz gefunden und kann auch auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken.

Marienkirche zu Ahrensbök – gestern und heute –

         Marienkirche zu Ahrensbök                                   gestern und heute

Ein vierzig Seiten umfassenden Bildband mit alten und neuen Fotos der Marienkirche, teils in Farbe und schwarz/weiß, zeigt Aufnahmen von innen und außen, sowie Luftaufnahmen. Der Bildband ist im Kirchenbüro, Kirchenladen und Heimatmuseum gegen eine Spende erhältlich.

Kindervogelschießen, Kinderfeste – Eine lange Tradition in Ahrensbök

Kindervogelschießen, Kinderfeste – Eine lange Tradition in Ahrensbök

Von Ernst  Müller,  Konrektor  a.D. †

Es gibt ein Büchlein mit Aufzeichnungen, in welchem man das Vogelschießen in Ahrensbök bis zum Jahre 1860 zurückverfolgen kann. Es enthält die Abrechnungen und auch kurze Berichte über  Vorbereitung und Ablauf der Feste. Es ist also ein geschichtliches Dokument Ahrensböks, in welchem sich aber auch die größere Politik und Geschichte spiegelt.

Umzug in den 30er-Jahren

1867 kommt das holsteinische Amt Ahrensbök zum Fürstentum Lübeck. Auf diese Weise wird der Großherzog von Oldenburg für seine Gebietsansprüche an Schleswig – Holstein nach den Auseinandersetzungen Dänemark, Österreich, Preußen entschädigt. Das kann man in Ahrensbök lange nicht verwinden, und die Ahrensböker fühlen sich als “Muss – Oldenburger”. Aber bei den Festumzügen, die auch übers Amt und zu Weidemann (also in der Poststraße) führen, ist 1870 zufällig der Oberamtmann anwesend und wird zum Fest eingeladen. 1872 ist der Oberamtmann Kuhlmann wieder in Ahrensbök und auch nicht mit leeren Händen gekommen. Er überreicht der Schule und den Kindern eine blauseidene Fahne von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Oldenburg.

Auch der Großbrand in Ahrensbök am 3. September 1872 dem auch die Schule zum Opfer fiel, leuchtet in den Aufzeichnungen auf. Lehrer Harder verauslagt für das Kindervogelschießen 1873 erst einmal 60 Mk. Corant, da im Vorjahre alles verbrannte.

1889 berichtet das Büchlein: “Das Kinderfest fand in diesem Jahre zum 1. Mal an Großherzogs Geburtstag, am 8.Juli statt.” 1909 schreibt Lehrer Jäger: “Um ½ 8 Uhr wurde auf dem Schulplatze angetreten. Nach dem Hoch auf dem Großherzog (Jäger) u. Singen des 1.Verses von Heil Dir, o Oldenburg wurde abmarschiert” (zu den Wettkämpfen im Langendamm).

So werden die Ahrensböker zwar widerstrebend aber doch allmählich zu Oldenburgern. 1914 wird das Kinderfest zum letzten Mal gefeiert, bevor der 1.Weltkrieg eine lange Pause erzwingt. Erst 1919 berichtet Hptl. Hasse: “Von dem herrlichsten Wetter begünstigt feiern wir nach 5jähr. Pause am 5.September zum ersten mal wieder unser Kinderfest. Gegen 8 Uhr morgens verließ der stattliche Festzug nach einer kurzen Ansprache des Unterzeichneten und dem Singen der 1. Str. des Deutschlandliedes den Schulplatz zum Marsch durch die Stadt.”

Das Denken in engen kleinstaatlichen Grenzen ist gewichen.

1933 zeigt sich dann schon der absolute Anspruch des Staates auf jegliche Festgestaltung. Lehrer Edler berichtet: “Das diesjährige Kinderfest fand am 18. August statt. Es war schon im Juni geplant, aber wegen Festverbot (Sonnenwendfeier) musste es bis in den August hinein verschoben werden.” 1937 ist das Kinderfest noch einmal gefeiert worden. Dann hörten die Eintragungen auf, obwohl noch genügend Platz gewesen wäre. Ist es 1938 und 39 nicht mehr ausgerichtet worden?

Doch nun zurück an den Anfang der Eintragungen. Das Jahr 1860 war ein ganz besonderer Einschnitt in der sehr viel weiter zurückreichenden Tradition des Kindervogelschießens in Ahrensbök. Aber lassen wir hier das Original selbst sprechen:

„Kindervogelschießen, Kinderfeste – Eine lange Tradition in Ahrensbök“ weiterlesen

Der Meschütenkrug

Der Meschütenkrug

So wie heute Tankstellen, lagen früher Gastwirtschaften mit Durchfahrten und Ausspann an den Straßen. Zum “Ortsteil Bockhof” bei Dunkelsdorf gehörte auch der “Meschütenkrug”, ein Zwiebackskrug. Hier konnten Fuhrleute und Reisende essen und übernachten.  Ein bekanntes Lokal dieser Zeit, von dem es sich lohnt  zu berichten.

Der Meschütenkrug war ein 1799 vom Gut Dunkelsdorf abgetrenntes Grundstück mit Wohnhaus und Katen, gelegen an dem Heer- und Frachtweg von Ahrensbök nach Lübeck,  gekauft von Detlef Jacob Möller (u. Ehefrau  Maria Elisabeth  Möller geb. Bleeck) mit der Freiheit zu Mälzen, Brauen und zu Brennen. Dazu gehörten auch das Recht die Krugwirtschaft, die Hökerei und die Bäckerei zu betreiben und  auszuüben sowie eine kleine Landwirtschaft mit 3 Tonnen Land. Außerdem besaß er eine angekaufte Moorparzelle im Amt Ahrensbök.

Wie viele der einsam gelegenen Katen, hatte das alte Haus,  auch einen eigenen Namen – der Meschütenkrug. Wer von Ahrensbök nach Lübeck oder zurück reiste und in diesem Krug einkehrte, um sich zu stärken, erhielt zugleich eine Art „Semmel“ dazu zum Essen. Und dieser hieß Meschüt. Daher der Name. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert steht noch. Marie Hunnertmark war dort seinerzeit Wirtin. Sie stammte aus Ahrensbök. Geheiratet hatte sie nicht, weil kein Bewerber reich oder schön genug war. Ihr Vater war Kuchenbäcker in Ahrensbök. Sie war durch ihr Angebot „Zwieback und Milch für einen Groschen“ weit und breit bekannt und geschätzt. So scheibt es jedenfalls Wilhelm Wulf, ein Ahrensböker Heimatforscher, und weiter schreibt er:

In der Gaststube standen breite Holzbänke, die Ruhelager der Kutscher für die Nacht. Motel von damals! Ein köstliches Gemälde, von einem Maler für unbezahlte Zeche zurückgelassen, hing über der Tür. Das Bild zeigte eine Tanzmusikschlägerei. Der Wirt, ein Polizist und die Musikmacher waren dabei, die Prügler hinauszuwerfen. Und oben auf dem Bild wurde eingeladen: „Herzlich Willkommen“. Glanzstück des Kruges war ein Ochestrion, so groß wie ein Kleiderschrank. Mit einer gewaltigen Kurbel zog man den Apparat auf, und schon donnerte es durch die Stube „Schleswig – Holstein, meerumschlungen“ oder auch „Es war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand“. Blitzblank war es im Meschütenkrug. Der  Fußboden war weiß gescheuert und mit knirschendem Sand bestreut, saubere Gardinen hingen vor den Fenstern, und blühende Blumen luden die Gäste freundlich ein. Arme Wanderer fanden hier ihr billiges Nachtquartier, besonders, wenn sie die Wirtin zu einem Tanz nach der Musik des Orchesterions einluden.

Torfbäcker und Bauer Johann Grimm kehrte aus diesem Grund oft bei seinen Torffuhren vom Barghorster Moor nach Lübeck bei ihr ein. Wegen seiner Armut und seiner großen Familie erhielt er eine Mahlzeit umsonst und er bestellte dann noch ein Glas Zuckerwasser ohne Zucker.

Weitere Besitzer waren: 1852 die jüngste Tochter Maria Elisabeth  Möller (später verh. Petersen), 1881  Herrmann Caspar Johannes Petersen, er geht 1884 nach Breitenburg und übernimmt die Mühle zu Breitenburg, 1884 der Brauer Johannes August Eduard Bade aus Lübeck, 1891 der Brauer Carl Paul Jahnel, dann seine Ehefrau Auguste Therese geb. Hesse. Der spätere Besitzer, ein Herr Holzmann, Maschinist aus Kiel kaufte 1893 das Gewese und verkaufte es 1898 an den Gastwirt Bornemann und der verkaufte es dann 1906 an einen Herrn aus Lübeck, der auf dem Grundstück eine Großimkerei betreiben wollte.

Der ehem. Meschütenkrog mit vermauertem Tor der Durchfahrt ca. 1972.

Über 100 Jahre bestand die Brauerei mit kleiner Landwirtschaft. Mit dem Bierwagen fuhr der Besitzer übers Land und verkaufte sein Bier. 1906 hatte der in weiten Kreisen bekannte „Meschütenkrug“ als Krug aufgehört zu existieren. Die Großherzogliche Regierung hatte die Wirtschaft für alle Zeiten aufgehoben. Wie schon gesagt, das Gebäude steht noch. Doch mit dem Wandel der Zeit vom Pferdezug zur Motorisierung erfüllte es seinen Zweck nicht mehr. Die großen Durchfahrtstore mit den runden Torbögen sind vermauert. Nach einem Umbau dient der ehemalige Meschütenkrug heute als Wohnhaus.

Eine Erinnerung an eine gar schnell versunkene Zeit.

Die an der Abfahrt beim Bokhof zum Dorf Dunkelsdorf und in der Nähe des Meschütenkruges stehende Eiche, welche jetzt unter Denkmalschutz steht, kann nach den Berechnungen des früheren Förster Reimers, der  für das Revier Schwinkenrader Forst zuständig war, bereits ein Alter von 500 Jahre +/- 50 Jahre erreicht haben.

Stand  08.01.2022                    Erich Marowski

 

 

Ahrensböker Museumskalender 2022

Ahrensböker Museumskalender 2022

Bauten, Gebäude und Höfe in der Gemeinde Ahrensbök und Umgebung zeigt der Museumskalender 2022.

Der Bildkalender im Format DIN A 4 umfasst zwölf Monatsblätter sowie ein Titelblatt. Die Fotos sind in Schwarzweiß oder in Farbe. Der Kalender ist in der Gemeindebücherei, Lotto & More und im Getränkemarkt Ahrensbök von Thomas  Goldt für 13,00 € erhältlich. Auch über die Internetadresse des Heimatmuseums info@heimatmuseum-ahrensboek.de kann der Kalender wieder zum Preis von 13,00 € zuzüglich 2,00€ Versand bestellt werden.

Lebende Denkmäler der Klosterzeit

Lebende Denkmäler der Klosterzeit

Dem Hörensagen nach hat uns die älteste Geschichte, die Klosterzeit 1, unseres Ortes zwei noch lebende Denkmäler beschert, so schreibt es der Heimatforscher und frühere Rektor der Volksschule in Ahrensbök Hermann Stölten.

Das ist einerseits die Weinbergschnecke welche durch die Mönche des Kartäuser Klosters nach Ahrensbök gekommen ist. Der strenge Orden stammt aus einer einsamen Gebirgsschlucht La Chartreuse bei Grenoble. Die Schnecken wurden als Fleischersatz gezüchtet und stellten sicherlich für den Tisch eine wohlschmeckende Abwechslung dar und sollten hier bei uns im Norden nicht entbehrt werden. Sicher sind auch einige entwischt und haben sich in unserer Gegend gut verbreitet.  Bis in jüngster Zeit wurden sie noch gesammelt und verkauft.

Der Winterling ist andererseits das zweite noch lebende Denkmal. Er blüht sehr oft schon vor dem Schneeglöckchen und verkündet als Frühblüher den nahenden Frühling. Diese Blume ist wohl als unsere Blume anzusprechen, da sie hier reichlich vorhanden ist, und falls sie anderswo gefunden wird, wie z.B. im Fürstengarten zu Lauenburg a.E., Husum oder Malente immer wieder Spuren nachgewiesen werden, die nach unserem Ort Ahrensbök zurück gehen. Deshalb hat die Ahrensböker Gill vun 1490, die sich die Heimatpflege zur besonderen Aufgabe gemacht hat, diesen lebenden Zeugen aus seiner ältesten Geschichte zu einem besonderen Schützling ernannt. Die Mönche des Kartäuser Klosters sollen ihn eingeführt und auf dem Gelände des Mönchskloster gepflegt haben. Die Pflanze ist in allen Teilen giftig. Sie gelangte später in den Ahrensböker Amtsgerichtsgarten “Hoppenbrook” und auch in den Organistengarten, so bestätigt es auch der ehem. Lehrer W. Jäger in Ahrensbök. Bald verirrten sich auch einige in private Vorgärten und verbreiteten sich weit und breit.

Die Kartäuser-Nelke hat den Namen von den Kartäuser-Mönchen, die diese Pflanze seit dem 16. Jahrhundert in ihnen Klostergärten anbauten. Ob die Blume auch hier angebaut wurde ist nicht bekannt.  Sie zählte offenbar aber zur Standardausstattung vieler Klostergärten. Die Pflanze sieht nicht nur schön aus, sie duftet gut und enthält schmerzstillende und erweichende Stoffe. Sie fand Anwendung durch kauen der Blüten gegen Zahnschmerzen, zermahlene Blüten gegen Schlangenbisse. Alle Pflanzenteile enthalten seifige Bestandteile, welche die Mönche und Nonnen flüssig gegen Hautkrankheiten, Rheuma oder Muskelschmerzen auftrugen und den Frischsaft  innerlich gegen Pest und Würmer nutzten obwohl sich geglaubte Wirkungen von Pflanzen nicht immer wissenschaftlich nachweisen lassen. In Volksglauben, Märchen und Sagen kommt die Kartäuser-Nelke öfters vor. Die Pflanze soll Blitze anziehen bzw. an Standorten wachsen an denen Blitze gerne einschlagen. Man findet sie auch in vielen Wildblumengärten.

Die Kartäuser-Nelke war Blume des Jahres 1989 und ist geschützt. Sie ist auch auf der 70-Cent-Briefmarke der Dauerserie „Blumen“ der Deutschen Post AG abgebildet, deren Erstausgabe am 13. April 2006 war.

1 Klosterzeit: 1397-1564

Erich Marowski

Ahrensböker Museumskalender 2021

Wind- und Wassermühlen in der Gemeinde Ahrensbök und Umgebung, so lautet das Thema des diesjährigen Museumskalenders. Der Bildkalender im Format DIN A 4 umfasst zwölf Monatsblätter sowie ein Titelblatt. Die Fotos sind in Schwarzweiß oder in Farbe. Der Kalender ist in der Gemeindebücherei, Lotto & More und im Getränkemarkt Ahrensbök von Thomas  Goldt für 13,00 € erhältlich. Auch über die Internetadresse des Heimatmuseums info@heimatmuseum-ahrensboek.de kann der Kalender zum Preis von 13,00 € zuzüglich 2,00€ Versand bestellt werden.

Ahrensböker Notgeld

Ahrensböker Notgeld

Als Notgeld bezeichnet man Ersatzzahlungsmittel, die den Mangel von staatlichen, hoheitlichen Münzen, Banknoten sowie Geldscheinen lindern oder beheben sollten. In Krisenzeiten wurde, und wird wohl auch noch immer wieder, wertvolles Material wie Gold, Silber oder Kupfer, aus denen ja Münzen vielfach bestanden, gesammelt, gehortet und somit dem normalen Geldkreislauf entzogen. Notgeld wurde in Deutschland zu Beginn des Jahrhunderts nahezu von „jedermann“ emittiert. An erster Stelle sind die Kommunen, also Städte und Gemeinden, zu nennen, die die Probleme ihrer Bürger am unmittelbarsten zu spüren bekamen. Die Gültigkeit war in der Regel regional begrenzt. Es war für jemanden aus Königsberg nahezu unmöglich festzustellen, ob der Notgeldschein aus Ahrensbök, den er in Händen hielt, denn auch gültig war. Auch wurden zeitliche Limite gesetzt, wie etwa ein bestimmtes Gültigkeitsdatum. Formulierungen wie „Gültig bis vier Wochen nach Friedensschluss“, waren genauso geläufig. Es gab sowohl Notgeldscheine, als auch Notgeldmünzen. Notgeldscheine sind nicht nur aus Papier und Pappe gefertigt worden, auch andere Materialien wie Stoff, Seide oder Leder sind bekannt. Die Münzen bestanden regelmäßig aus unedlen und billigen Metallen. Notgeld hatte die gleiche Funktion als die gesetzlichen Zahlungsmittel, obwohl es teilweise nur geduldet, ja manchmal sogar verboten war. Kleingeld wurde bereits ab 1914, in der Hauptsache aber ab 1916, in Umlauf gebracht und sollte dem vorherrschenden Mangel an Zahlungsmittel Abhilfe schaffen und lautete über Pfennigbeträge. Die anfangs recht einfach und schlichten, eben zweckmäßigen Scheine, wurden im Laufe der Zeit immer aufwendiger, interessanter und vor allem auch farbiger. Viele namhafte Künstler ihrer Zeit waren mit dem Design der Stücke beschäftigt.

Nach einem Beschluss von Magistrat und Stadtrat erhielt die Kunstanstalt Gebr. Borchers in Lübeck den Auftrag, folgende Notscheine nach Entwürfen des Ahrensböker Kunstmalers Krützfeld zu drucken: 5000 Stück zu 25 Pfennige,  10.000 Stück zu 50 Pfennige und 5000 Stück zu 100 Pfennige.

  Der 25-Pfennig-Schein („Fivuntwinti Penn“) zeigt eine Ansicht der in Busch und Garten eingebetteten Stadt. Darunter steht: „Geihst du mit mi üm manierli Bliev ick glatt und zierli. Doch komm ick in rohe Hänn Geiht mit mi to Enn.“

 

Auf der Rückseite ist das Kirchensiegel aus dem 14.  Jahrhundert als Holzschnitt abgebildet.

 

 

 

Auf dem 50-Pfennig-Schein („Föfti Penn“) sind Stadt und Kirche dargestellt. Darunter steht: „Een Egensinn ohn Glieken, von’t Ol deit he nich wieken, He höllt wat he versprickt un weert noch so verrückt; Den echten dütschen Globen, den lett he sick nich roben, Ok nich de Klümp un Supp, denn muckt he höllisch up. So Eener is de Holsteener.

 

Die Rückseite zeigt das Wappen der Stadt mit dem Adler auf der Buche.

 

 

 

Der 100-Pfennig-Schein („Hunnert Penn”) bietet einen weiteren Blick auf die Stadt mit der Windmühle.

 

Dazu heißt es:  In Not geburn, bün ick dartau erkurn As Kleengeld to gelln. Muß’t Di blots nich verteil’ n. 

 

Auf der Rückseite ist ebenfalls die „Aar-Bök” abgebildet, um die herum geschrieben steht:

 

„UNNER DAT ADLERNEST IN DE DÜTSCHE BÖÖK IS VOR VEEL HUNNERT JOHR BUGT OHRENSBÖK, UN ÖBER DEN’N ADLER DAT MARIENWUNNER IN HELL’N GLANZ UN VELL MINSCHEN DORUNNER

Die Bevölkerung betrachtete das Notgeld äußerst misstrauisch und verwendete es nur so weit, wie es unbedingt notwendig war. Diese Erscheinung zeigte sich nicht nur in Ahrensbök, sondern ganz allgemein, so dass die Scheine mehr Bedeutung als Sammlerobjekte gewannen und als solche förmlich den Markt überschwemmten. (Quelle: Auszugsweise aus „Ahrensbök in der Zeit von 1919-1945“ von Jürgen Brather)

Ahrensbök historisch: Herrenhaus Dunkelsdorf

Das Herrenhaus Dunkelsdorf

Wie jedes Gut hat auch das adelige Gut Dunkelsdorf ein herrschaftliches Herrenhaus. Es zählt nicht zuletzt in landschaftlich ruhiger und schöner Lage zu einem  der schönsten hierzulande.

Um das Jahr 1810 wird ein Herrenhaus und ein kleines Herrenhaus erwähnt, in welchem der Altenteiler wohnt. 1819 wird in einem Schreiben der Witwe des 1817 im Herrenhaus  ermordeten Gutsherren Johann Hinrich Krahn jun. auf ein reparaturbedürftiges Gutswohnhaus, insbesondere dessen Reetdach hingewiesen. 1827 befand sich im Keller auch ein Gefängnisraum.

Das heute noch stehende zweigeschossige Herrenhaus begann der Gutsherr Georg Diestel bauen zu lassen und unter seinem Sohn August Diestel wurde es 1876 fertig gestellt. Es wurde aus gelblichen Ziegel, der in der am Nordufer der Flensburger Förde liegenden Ziegelei “Rennberg” hergestellt wurde, erbaut. Diese stellte Ziegel besonderer Güte nach dem Muster der verbesserten Holländischen Einrichtung her.

Gleichzeitigt wurde der 3,5 ha große Park angelegt. Die vor dem Herrenhaus stehende Blutbuche wurde wahrscheinlich aus Anlass der deutschen Reichsgründung gepflanzt. Bedauerlicherweise  fiel der schöne Baum 1999 einem Sturm zum Opfer, wurde aber durch einen neuen ersetzt. Zwischen dem Baum und der rechten Herrenhauszufahrt befindet sich ein tiefer Brunnen, gesetzt aus den gleichen Ziegeln wie die des Herrenhauses, der abgedeckt ist.

Nach dem 2. Weltkrieg diente das Herrenhaus nicht mehr dem Gutsbetrieb. Dafür wurde das ehemalige Meiereigebäude als Verwalterhaus genutzt. Das Herrenhaus diente nach dem Krieg als Hilfskrankenhaus. Diese Nebenstelle des Kreiskrankenhauses Eutin stand bis 1948 unter der Leitung von Dr. Hermanns aus Ahrensbök als Chefarzt. Hier fanden viele Geburten statt.  Danach hat es als Alters- und Siechenheim gedient.

Die Ostholsteinische Landsiedlung Eutin verlegte nach dem Ankauf des Gutes und dessen Abwicklung die Verwaltung der Gutsangelegenheiten in das Herrenhaus.

Im Zuge der Aufsiedlung hatte die Siedlungsgesellschaft für die Siedlungshöfe eine Wasserversorgungsanlage geschaffen. Der 70m tiefe Brunnen und das Pumpenhaus sind im Park angelegt. Der dann 1969 entstandenen Wassergenossenschaft schloss sich das gesamte Dorf an und versorgt es kostengünstig mit ausreichend und qualitativ hochwertigen Trinkwasser.

Foto: Klaus Zutz

Im Rahmen der Aufsiedlung hatte Frau Helmy Plasswich das Herrenhaus mit dem Naturpark erworben und eine Hotelpension mit einem Schwimmbecken im Park aufgebaut. Das Hotel wurde unter den Namen “Herrenhaus zur Rose” geführt und wurde weit über die Landesgrenzen bekannt. Das Ehepaar Karl und Elfriede Blunk aus Timmendorfer Strand übernahmen 1967 das Hotel, renovierten es um den verwöhntesten Ansprüchen gerecht zu werden und führten es als “Herrenhaus Dunkelsdorf” weiter und legten im Park ein kleines Wildparkgehege an. Attraktion war ein weißer Hirsch. 1971 besaß Frau Charlotte Thomsen aus Grömitz das Hotel. Es brannte am 26. 9. 1972 ab und wird nach mehrjährigem Wiederaufbau unter Wahrung des alten Charakters als Wohngebäude genutzt.

Mit der vor einigen Jahren wieder hergestellten und von der Straße abgrenzenden Natursteinmauer  rundet sich das gesamte Herrenhaus Areal ab.

Stand: 10.4.2020

Erich Marowski