Die Holländerei und der Milchbock in Dunkelsdorf
Mit der Einführung der holsteinischen Koppelwirtschaft auf den Gütern wurden zahlreiche Holländereien angelegt. Es waren die Vorgänger der Meiereien.
Man holte sich holländische Spezialisten der Milchwirtschaft ins Land. Daher der Begriff „Die Holländer“. Sie machten sich die großen Rindviehbestände der Güter zu nutze und pachteten häufig als Fachmann der Milchwirtschaft die Bestände. Der Holländer leitete den Außen- und Innenbetrieb, betreute die Herde und verhandelte mit den Händlern der „Holländerei“.
Der Holländer Bendix Buck z. B. pachtete 1807 die Dunkelsdorfer Milchwirtschaft mit 50 Kühen. Der Milchertrag lag im Mai bei ca. 2,5 Kannen (etwa 5 l.) je Kuh und Tag. Als Wohnung erhielt er das Meierei Gebäude nebst Garten und Deputat. Die Milch wurde vom Pächter auch verarbeitet und verwertet. Für Futter im Winter und Weide im Sommer sorgte der Gutsherr. Streit gab es oft um die Ramswiese, wenn sie lange Zeit für die Wassermühle angestaut war und dann zum weiden nicht so lange nutzbar war. Auf die Weide gingen außerdem die 2 Bullen, 16 Haushaltungskühe, 4 Kühe des Müllers, 4 Deputat Kühe und des Holländers 5 eigene Kühe und seine 3 Pferde. Die herrschaftlichen Pferde und Schweine und die des Holländers gehen auf die Koppeln. Als Viehtränke stand der Mühlenteich auch im Winter zur Verfügung und im Winter kamen die Kühe in das Strohgedeckte Viehhaus. Das im Winter gewonnene Natureis aus dem Hofteich wurde im Eiskeller eingelagert und im Sommer zur Kühlung verwendet.
Neben dem Herrenhaus wurde 1876 auch ein neues Meiereigebäude errichtet. Später wurde die Milch in Kannen zur Meierei nach Curau geliefert und später nach Lübeck an die Hansa -Meierei. Das Meierei Gebäude wurde dann das Verwalterhaus des Gutes und die Milchböcke welche auch als Treffpunkt für Nachbarn und die Dorfjugend dienten, verschwanden. Das Grundstück in der Nähe der Turmstraße 4 – 6 hatte in früherer Zeit die Flurstückbezeichnung Meierei. Vielleicht stand hier einmal ein Meierei Gebäude oder evtl. das Haus des Gutsverwalters das in frühere Zeiten auch die Meierei genannt wurde.
Unser Milchbock – Als es noch die Milchböcke gab
Unseren Milchbock gab es erst seit 1955. Im Januar bezogen wir unsere neue Siedlung in Dunkelsdorf. Es war die Stelle Nr. 10, eine von 12 Siedlungen, eine sogenannte Vollbauernstelle, die aus dem aufgesiedelten Gut Dunkelsdorf für die überwiegend Heimatvertriebenen Bauern aus dem Osten geschaffen wurde.
Natürlich gab es hier auch schon vor 1955 Milchböcke, wie auch in den anderen Dörfern, so stand einer beim Gutshof, beim alten Feuerwehrhaus, beim Bauernhof Brede, an der Straßenecke beim Schuster Dose und beim Bokhof. Sie gehörten einfach wie die Pferde und die Kühe auf der Weide mit zum Dorfbild.
Die 20 Liter fassenden und von innen verzinnten Milchkannen wurden des morgens von dem Fuhrunternehmer Finnern aus Tankenrade mit dem LKW abgeholt und leer gegen Mittag zurückgebracht. Die Kannen waren gekennzeichnet mit der Lieferanten-Nummer. Im Sommer wurde die Milch auch des Abends abgeholt und zur Hansa-Meierei in Lübeck geliefert. Hier wurde die Menge gewogen und es wurden Proben zur Fettgehalts- und Qualitätsbestimmung gezogen. Oft wurde auch eine Rücknahmemenge an Molke und Magermilch für die Schweine- und Kälberfütterung zurück geliefert. Auch Milchprodukte, die in den Kannen abgelegt wurden konnten per Bestellschein von den Lieferanten angefordert werden. Später wurde in der Meierei eine Kannenwaschanlage installiert, dies war eine große Arbeitserleichterung auf den Höfen. Die Kannen durften jedoch keine Metalldeckel und Befestigungsketten mehr haben.
Unser Milchbock wurde für uns und unserem Nachbarn von der Hansa Meierei Lübeck aufgestellt. Als Standort wurde aus Gerechtigkeitsgründen der Mittelpunkt zwischen unserer Haustür und die des Nachbarn an der Dorfstraße gewählt. Der Bock war aus starkem Eichenholz gebaut und hatte eine Höhe von ca. 90cm und eine Größe von etwa 2,20m mal 1,85m.
An den Milchböcken hatten wir einen Zeitungskasten angebracht. So hatte unser Zeitungsbote Korl Becker auch eine kleine Arbeitserleichterung beim Zeitungsaustragen, nur hatte er nicht mehr so oft einen Grund zur Mittagszeit ins Haus zu kommen.
Man traf sich hier beim Kannen hinbringen oder holen, oder auch zwischendurch, sprach über Betriebliches und Privates und tauschte Neuigkeiten aus und der Milchbock war auch ein guter Treffpunkt für die Jugendlichen.
Da der Milchfahrer mit seinem Gefährt bis in die Stadt Lübeck zur Hansa-Meierei fuhr, nutzte manch einer diese Tour auch als Mitfahrgelegenheit.
Durch die Abholung der Milch mit dem Milchtankwagen ab Hof um 1970 wurden die Milchböcke plötzlich nicht mehr gebraucht und so verschwanden sie allmählich.
In einigen Dörfern taucht inzwischen so ein Milchbock als Zeitzeuge und Erinnerung an frühere Zeiten wieder auf.
So hatte ich 1999 die Idee den Milchbock an alter Stelle in genau gleicher Art (starkes Eichenholz und gleiche Größe) wieder zu erstellen und mit einigen Milchkannen auszustatten. Die Gemeindeverwaltung in Ahrensbök erlaubte die Aufstellung so nicht, da der Bock einige 10cm in den Straßenbereich hinein reichte. Sie schlug vor, den Milchbock in den Privatbereich zurück zu setzen und würde es gerne sehen, wenn er auch aufgestellt wird. Und so steht er da auch heute noch.

Er wurde auch schon für Geocaching (GPS-Schnitzeljagd) genutzt. Wanderer, Bekannte und Unbekannte und Pilger, die den vorbeiführenden Jacobsweg entlang pilgern pausieren hier manchmal. Auch ist hier der Sammelplatz wo der jährliche Kinderfestumzug zusammengestellt wird und startet.
Möge er hier noch lange stehen!
Erich Marowski