Ahrensbök

Im Vergleich zu den umliegenden Dörfern Schwochel, Curau, Gnissau, Sarau, Siblin usw. ist Ahrensbök ein verhältnismäßig junger Ort. Er weiß nichts von einer Wendezeit und von dem Apostel Vizilin. Noch im 13. Jahrhundert war die Gegend mit hohem Buchenwaldbestand, und in den Gründen „Langenbrook“ und „Spannbrook“ dehnten sich Teiche und Sümpfe.

Nur der heutige Kirchhügel besaß auch damals schon ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Eine gewaltige Buche ragte dort mit ihrer Krone hoch über das grüne Dach des umliegenden Waldgebietes hinaus, und in ihrem höchsten Geäst barg sie seit Jahr und Tag das stolze Nest eines Adlerpaares  Arnesboke wurde deshalb der Baum genannt.

Eines Tages war die „Adlerbuche“ in aller Munde. Etwas Wunderbares hatte sich dort ereignet. Ein Mönch oder Pilger – genau wusste es keiner – sollte es mit eignen Augen gesehen haben: Am hellen Tage war plötzlich die Mutter Maria aus dem blauen Himmel herab über der Adlerbuche erschienen und hatte segnend ihre Hände über den Baum gebreitet. Eine gewaltige Erregung kam über die Menschen nah und fern. In Scharen pilgerten sie durch Wald zu der Stätte des Wunders, berührten den Baum und knieten vor ihm nieder. Und siehe! Die traurig gewesen waren, kehrten fröhlich heim, und die von Krankheit geplagt wurden, waren von Stund an geheilt. Es war kein Zweifel: der Segen der Mutter Gottes schwebte über der Stätte. Priester, Mönche und Gläubige bauten dann „toArnesboken“ eine Kapelle, das Bild der Mutter Maria hängten sie hinein, und wenn nun die Menschen kamen, knieten sie vor dem Bilde nieder, rührten es an und beteten. So war „to Arnesboken“ein Wallfahrtsort entstanden, mitten in der Wildnis des Waldes.

Es war natürlich, dass recht bald auch solche Leute einfanden, die weniger an das Seelenheil der Pilgerscharen dachten als an ihres Leibes Nahrung und Notdurft. Die Kramhändler und Bäcker und Knochenhauer aus Lübeck, Eutin und Plön waren es und boten ihre Ware feil. In weitem Kreise um die Kapelle schlug man die Buchen nieder, und von dem Holze wurden Wohnstätten errichtet. Was lag für den damaligen Landesherrn Johann den Milden näher, als an einem so heiligen und geschäftigen Orte ein neues Kirchenspiel einzurichten. Zu Pfingsten des Jahres 1328 tat er in einer langen Urkunde diesen Willen kund. “Arnesboken“ hieß die neue Gemeinde, und die Dörfer, Barghorst, Holstendorf, Spechteshagen, Schwochel und Kellershagen wurden dazugeschlagen.

An der Stelle der kleinen Marienkapelle hatte man ein stattliches steinernes Gotteshaus errichtet (den ältesten Teil der heutigen Kirche). Der Glaube an die Wunderkraft des Ortes aber lebte auch unter den veränderten Verhältnissen unvermindert fort, und so entwickelte sich Arnesboken schnell zu dem ansehnlichsten Ort der ganzen Gegend. Immer weitere Waldflächen wurden ausgerodet, Marktplätze und Straßen entstanden, und immer mehr wuchs nun auch die Bedeutung der Siedlung als Durchgangsort auf der Verkehrsstraße Lübeck- Plön.

(Verfasser unbekannt)